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Geschichte

Von der Gründung 1861 bis zum Jubiläumsjahr 1961

Die Männer, die im Jahre 1861 den Turnverein St. Wendel gründeten, haben erlebt, wie Turnvater Jahn mit zahlreichen Freiheitskämpfern in der Frankfurter Paulskirche für die Einigung aller Deutschen, für Freiheit und Menschenwürde, für soziale Gerechtigkeit und ein demokratisches Deutschland eintrat. Nach dem Protokollbuch der Jahre 1861 bis 1864 kamen auf einen Aufruf in der „Nahe- und Blieszeitung“ im Sommer 1861 im Lokal Cullmann (heute Gasthaus „Zum Ochsen“) 42 Männer der Stadt zusammen, die erklärten, dem Verein beitreten zu wollen. Sie wählten als Vorstand Rektor Busch, Gutsbesitzer Karl Cetto jun., Kaufmann Jakob Marschall, Maschinenmeister Gattermann und Progymnasiallehrer Quint.

Das Protokollbuch jener Zeit gibt auch einen Einblick in den ersten Turnbetrieb. An zwei Abenden in der Woche, zunächst montags und donnerstags, wurde geturnt, bei gutem Wetter und in der Sommerzeit in den Anlagen des Gudesberg, bei schlechtem Wetter im Vereinslokal.

Das erste Stiftungsfest- ein Ereignis

Das erste Stiftungsfest 1862 war bereits ein Höhepunkt im Leben des jungen Vereins. In den Vorbereitungen zum Stiftungsfest legten der erste Vereinsvorsitzende und der Schriftwart ihre Ämter nieder. Man wählte zum ersten Vorsitzenden den Apotheker Dr. Riegel, der dann 30 Jahre den Verein führte. Dieses erste Turnfest in der Stadt St. Wendel brachte dem Verein 60 neue Mitglieder. Schon in den ersten Vereinsjahren wurde eine Musikkapelle gegründet.

Ein neuer Höhepunkt im Vereinsleben war 1863 die Organisation des ersten Gauturnfestes in St. Wendel. Die Damen der Stadt stifteten dem Turnverein für diesen Tag eine neue Fahne, die am Gaufest geweiht wurde. Neben der Musikkapelle wurde auch bald eine Gesangsabteilung ins Leben gerufen.

Der Krieg 1870/71 rief alle wehrfähigen Turner zu den Waffen. Es ist anzunehmen, dass erst 1878 die Turnerei in St. Wendel wieder einen Aufschwung nahm, allerdings nur in lockerer Form. Am 30. April 1892 wurde der Verein mit 30 Turnern neu gegründet.

Der Bau der Turnhalle

In den folgenden Jahren sind die Berichte sehr spärlich. Die Leitung des Vereins wechselte oft. Erst unter der Führung des Vorsitzenden Jean Engbarth stieg das Ansehen des Vereins und die Turnerei kam wieder zu Ehren. Engbarth arbeitete an der Verwirklichung seines Plans, den Verein zum Bau einer eigenen Turnhalle zu be­wegen. Unter seinem Nachfolger, dem Katasterkontrolleur May, wurde mit dem Bau der Halle in der heutigen Jahnstraße begonnen.

1907 legte May sein Amt als Vorsitzender nieder. Als Vorsitzender wurde Professor Franz Heinrichsmeyer gewählt. Im März wurde der weitere Ausbau der Halle beschlossen, die dann im Dezember festlich eingeweiht wurde.

Bemerkenswert ist im Jahre 1911 der Anschluss des 1910 gegründeten Fußball-Clubs an den Turnverein. Die Zusammenarbeit dauerte aber nur kurze Zeit. In der Generalversammlung am 13. Dezember 1909 übernahm der Gymnasiallehrer Colbus das Amt des ersten Turnwartes, das er dann über 20 Jahre wahrnahm.

Der Turnverein St. Wendel beteiligte sich 1913 an den in allen Teilen des Landes veranstalteten Eilbotenläufen zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig und aus Anlass der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals.

Während des Ersten Weltkrieges lag die Turnerei brach. Von 226 Turnern, die ins Feld zogen, kehrten 40 nicht mehr zurück.

In der Generalversammlung 1919 wurde der Fußballverein wieder in den Turnverein aufgenommen. Der Verein bekam den Namen „Turn- und Sportverein St. Wendel“. Ein Jahr später löste sich die Fußballmannschaft wieder und bildete einen selbstständigen Verein unter seinem alten Namen Fußball-Club 1910 St. Wendel.

Erstmals turnen Frauen mit

Das 60. Stiftungsfest wurde zusammen mit dem Gauturnfest in St. Wendel begangen. Zum ersten Mal wurde ein Frauen-Wettturnen veranstaltet. Am Deutschen Turnfest in München 1923 nahmen 42 Turner teil. Im gleichen Jahr wurde die Handballabteilung gegründet.

1924 stellte der Verein anlässlich der Wendelinus-Ausstellung der Kirchengemeinde St. Wendelin die Turnhalle zu Festspielen zur Verfügung. Die durch Hochwasser sehr beschädigte Turnhalle wurde 1926 umgebaut und im Februar 1927 eingeweiht. Zur Finanzierung des Neubaues fand vom 4. bis 6. Februar ein Turnerbasar statt. Am 14. Deutschen Turnfest in Köln beteiligte sich der Verein mit einer Riege von 13 Turnern. Auf dem Herbstgau Turntag in Spiesen wurde Ehrenturnwart Jakob Colbus, der viele Jahre als Obergauturnwart den Bliesgau führte, zum Ehrenobergauturnwart ernannt.

Groß wurde 1930 der Turnerjahrmarkt organisiert. Er sollte die finanziellen Schwierigkeiten, die dem Verein durch den Neubau der Halle entstanden waren, beheben. Die Statistik zeigt am 1. Mai 1931 217 aktive Turner und 232 inaktive Mitglieder auf. In diese Zeit fällt auch eine rege Aktivität der Leichtathleten.

Turnverein ist überall präsent

Bei der 600-Jahrfeier der Stadt St. Wendel vom 26. Juni bis 10. Juli 1932 beteiligte sich der Verein an den Festzügen und stellte die Gruppen „Bürgerwehr der Stadt“ und „Jung Deutschland“. Ein großes Ereignis war für die Turner der Besuch des Deutschen Turnfestes in Stuttgart vom 26. bis 30. Juli 1933. Am Saar-Befreiungsfest 1935 beteiligten sich 40 Turnerinnen und Turner.

Sehr feierlich wurde das 75 jährige Jubiläum des Vereins zugleich mit dem Kreisjugendfest am 4. Juli 1936 begangen. Beim Kommers wurde den Turnern Johann Klein und Willi Scherer der Ehrenbrief der Deutschen Turnerschaft und dem Turner Nikolaus Josten der Gauehrenbrief verliehen. Am 23. Januar 1937 schlossen sich alle sporttreibenden Vereine im Stadtverband für Leibesübungen zusammen. Die Leitung des Stadtverbandes übernahm Ehrenobergauturnwart Jakob Colbus.

Letztes Vorkriegsturnfest in Breslau

Am letzten Deutschen Turnfest vor dem Krieg in Breslau beteiligte sich der Verein mit drei Wettkämpfern und 16 Festteilnehmern. 1938 wurde die Turnhalle vorübergehend von einer Flakeinheit belegt. Das Turnen war dadurch in dieser Zeit lahmgelegt. Freundlicherweise stellte das Missionshaus in St. Wendel dem Turnverein den Turnsaal und den Sportplatz zur Verfügung.

Der zweite Weltkrieg setzte dem turnerischen Leben des Vereins ein Ende. Im September 1939 wurde die Turnhalle vom deutschen Militär beschlagnahmt und mit Soldaten belegt.

Die Turnhalle wird verkauft

Das Reichsbahnausbesserungswerk St. Wendel, das die Turnhalle schon seit Jahren für seine Sportjugend benutzte, hatte ein großes Interesse daran, die Halle für seine Belange zu erhalten. Der Turnverein ging 1941 auf den Vorschlag ein, die Halle an die Reichsbahndirektion Saarbrücken zu verkaufen. Für 55000 Reichsmark wechselte die Turnhalle am 19. September 1941 ihren Besitzer.

Nach dem Krieg verkaufte die Eisenbahndirektion, da ein Turnverein noch nicht bestand, die Halle an das Holz- und Sägewerk Alsfasser, in dessen Besitz sie heute noch ist.

Die ersten Jahre nach dem Krieg gingen still an den Turnern vorüber, da das Turnen als staatsgefährdende Sportart von der Militärregierung verboten war. Ein Teil der Mitglieder, die aus Kriegsgefangenschaft nach Hause zurückkehrten, setzte die Tradition des Vereins im Omnisportverein von St. Wendel fort. So konnte die Abteilung Handball den Spielbetrieb bereits im Jahr 1946 wieder aufnehmen.

Erst am 9. Januar 1951 wurde der Turnverein St. Wendel in einer Versammlung neu gegründet. Zur Gründungsversammlung waren 41 Männer und Frauen sowie 4 Jugendliche erschienen. Dem ersten Vorstand gehörten folgende Mitglieder an: Vorsitzender Franz-Josef Bruch, Stellvertreter Willi Scherer, Schriftführer August Balthasar, Kassierer Jakob Feiler, Turnwart Felix Stutz, Gerätewart Fritz Hammerschmidt, Pressewart Fritz Plaas und Turnwartin Tina Franzisky.

Intensive Aufbauarbeit nach der Wiedergründung

Die ersten Erfolge der Aufbauarbeit in den Jahren 1951/52 zeigten sich bei verschiedenen Turnfesten sowie auf dem ersten Gauturnfest in Elversberg, von dem mehrere St. Wendeler Turner als Sieger zurückkehrten. 1953 trat ein Vorstandswechsel ein. Den Posten des Vorsitzenden übernahm August Thiel. Ihm folgte 1956 Eduard Schmidt. Rudi Ritter übernahm 1957 vorübergehend die Vereinsführung bis Hubertus Waltzinger gewählt wurde. Er war bis 1960 im Amt und wurde dann von Rudi Ritter abgelöst. Mit einer Festwoche wurde 1961 der 100. Geburtstag gefeiert.

Jubiläumsgala zum 150. Geburtstag des TV 1861 St. Wendel mit viel Bewegung und kurzen Reden

St. Wendel (gog). „Wir wollen ein moderner, junger Verein sein, aber auch die Historie nicht wegradieren“, dass dieser Satz kein Wunschdenken des Vorsitzenden Harald Becker,  sondern vielmehr Realität ist, zeigte die Jubiläumsgala zum 150. Geburtstag des TV St. Wendel im Kulturzentrum Alsfassen deutlich. Dort, wo früher durchtrainierte Turnbrüder mit stolz geschwellter Brust ihre Fahnen schwangen oder am Reck turnten, zeigten jetzt hübsche Cheerleader, kraftstrotzende Karatekas und quirlige Streetrunners („Straßenrenner“) die neuen Facetten des TV im Jahr 2011.

„Lebhafte Unterhaltung, viel Bewegung und möglichst kurze Reden“ hatte sich der Vorstand für die Gala gewünscht und alle Festredner hielten sich daran. Harald Becker steht seit zehn Jahren an der Spitze des jungen TV-Vorstandes, nur fünf der 25 Vorsitzenden in der TV-Geschichte verblieben länger im Amt. „Wenn Sie bis 2033 im Amt bleiben, sind sie beim TV Rekordvorsitzender“, forderte  Moderator Thomas Wollscheid den Vorsitzenden zum Durchhalten auf.

Staatssekretär Martin Karren vom Sportministerium lobte den TV „für das, was er in den 150 Jahren geleistet hat und für die gute Visitenkarte, die man für das Saarland abgegeben hat.“ Karren setzte noch eins drauf: „Der TV St. Wendel ist eine Säule des saarländischen Sports.“ „In diesem Verein wird Kameradschaft, Freundschaft und Teamgeist gepflegt“, würdigte Landrat Udo Recktenwald, „der TV ist ein breit aufgestellter Verein mit Spitzen-, Breiten- und Sozialsport und vor allem ein unverzichtbarer Bestandteil des Vereins- und Gesellschaftsleben in Kreis St. Wendel.“ Recktenwald hob besonders das soziale Engagement des Vereins hervor: „Ob beim Sport mit Aussiedlern, im Bereich Gesundheit und Prävention , bei den ambulanten Herzgruppen oder als  Partner des Landkreises bei vielen Veranstaltungen, auf den TV ist stets Verlass.“

Stadtbeigeordneter Peter Klär stimmte ins Loblied ein: „In der erfolgreichen Geschichte TV spiegelt sich auch die Geschichte der Stadt wider, der TV ist aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken.“ Mit einen Blick in den Saal und die vielen Vereins- und Verbandsvertreter fiel Klär noch etwas anderes auf: „Es ist hier in St. Wendel wohl noch niemanden gelungen, so viele Präsidenten an einen Tisch zu bringen.“ Schirmherr Franz-Josef Schumann, lange Jahre selbst TV-Vorsitzender und jetzt Präsident des Sparkassenverbandes und des Saarländischen Fußballverbandes, erinnert sich gerne an seine Vereinstätigkeit beim TV: „Es hat mir viel Spaß gemacht und ich habe dabei auch viel gelernt, etwa Organisation, Teamgeist, Menschenführung. Um die Zukunft des TV mache ich mir keine Sorgen. Die Verantwortlichen halten zusammen. Es wird immer neue Abteilungen, neue Angebote geben.“

Franz-Josef Kiefer, Vizepräsident olympische Sportarten des Saarländischen Sportverbandes, machte dem TV ein Kompliment ob der Jubiläumsgala: „Dynamisch und sehr vielfältig – eine tolle Veranstaltung.“ Gemeinsam mit Werner Zimmer, Präsident des Saarländischen Leichtathletikbundes, überreichte Kiefer dem Vorstand des TV den „Jahn-Schild“ für 150jährige Treue zum Deutschen Turnen.

Es war eine rundum gelungene Jubiläumsgala, in der Sport und bewegte Bilder im Vordergrund standen. Der TV präsentierte sich in zwei kurzen, kreativen Filmbeiträgen. Wie modern und jung der Verein ist, wurde in den Bühnenshows der Rhythmischen Sportgymnastik, der Karatekas, der „Purple Diamonds“ Cheerleader und der neuen Gruppe „Streetrunning“ deutlich. Das Motto passt: Geh hin, wo was abgeht!

Süß, die Kindergruppe der Rhythmischen Sportgymnastik.
Dynamisch, Karate der Spitzenklasse.
Verleihung des Jahn-Schildes an den TV St. Wendel. Von links: Henning Gramlich, Franz-Josef Kiefer, Harald Becker, Werner Zimmer, Peter Hoffmann, Stefan Brust, Daniela Fuchs-Hoffmann und Roland Müller.
Lustig – Ex-Landrat Franz-Josef Schumann und Nachfolger Udo Recktenwald hatten Spaß.
Artistisch, die Purple Diamonds Cheerleader.
Athletisch, die „Straßenrenner“ sind neu im TV.